Die Zeitleiste

Die Pionierjahre

1932 – 1967
  1. Das «Freundschaftsbanner» erscheint

    Am 1. Januar kommt in Zürich die erste Ausgabe heraus — ein gemeinsames Projekt von Laura Thoma vom Lesbenverein Amicitia und August Bambula vom Excentric Club. Der Beginn der queeren Presse in der Schweiz.

  2. Umbenennung in «Menschenrecht»

    Unter der Redaktion von Anna Vock, die als «Mammina» schreibt, wird aus dem Vereinsblatt ein politisches Organ.

  3. «Der Kreis» — und die Entkriminalisierung

    Das Blatt heisst neu «Der Kreis» und erhält einen französischen Teil; Karl Meier («Rolf») übernimmt die Redaktion. Im selben Jahr tritt das schweizerische Strafgesetzbuch in Kraft, das gleichgeschlechtliche Handlungen unter Erwachsenen nicht mehr bestraft.

  4. Dreisprachig und international

    Ein englischer Teil kommt dazu. 1957 erscheinen rund 1900 Exemplare, etwa 700 davon gehen an Abonnent:innen in Europa und den USA. Während des Zweiten Weltkriegs war «Der Kreis» die einzige durchgehend erscheinende homosexuelle Zeitschrift Europas.

  5. «Der Kreis» wird eingestellt

    Nach 35 Jahren endet das Projekt. Was bleibt, ist ein Archiv — und eine Lücke, die erst Jahre später wieder gefüllt wird.

Aufbruch

1973 – 1986
  1. «Kontakt» — aus dem später DISPLAY wird

    Ein handliches Magazin mit einer damals sehr begehrten Dienstleistung: Kontaktanzeigen, die Schwule miteinander verbinden. Ein Geschäftsmodell, mit dem sich gutes Geld verdienen liess — und der Ursprung des heutigen DISPLAY.

    Titelseite einer «Kontakt»-Ausgabe von 1993
    Titelseite einer «Kontakt»-Ausgabe von 1993 · Archiv DISPLAY
  2. «Lesbenfront»

    Frauen der Homosexuellen Frauengruppe Zürich gründen ein Magazin «von Lesben für Lesben». 1984 erscheint es unter dem Namen «frau ohne herz» weiter.

  3. «anderschume» und «Kontiki»

    Im Februar erscheint «anderschume aktuell» aus dem Umfeld der Homosexuellen Arbeitsgruppen Schweiz, im Mai folgt «Kontiki» — das erste Schweizer Magazin, das unabhängig von einer Organisation herausgegeben wird.

  4. Zusammenschluss statt Aufgabe

    «Kontiki» stellt im August ein, fusioniert aber mit «anderschume» zu «AK Anderschume/Kontiki». Ein Trägerverein soll das Magazin unabhängig von den Verbänden halten.

  5. «Cruiser» erscheint erstmals

    In den Anfangsjahren das einzige Magazin, das regelmässig über die HIV- und Aids-Epidemie berichtete — zeitweise war die Aids-Hilfe direkt beteiligt, weil nur der «Cruiser» die Community erreichte. 2026 erscheint der 40. Jahrgang; damit ist er das älteste noch bestehende Magazin der Schweizer LGBTQ-Community.

    Plakate der «Stop Aids»-Kampagne von 1987
    Plakate der «Stop Aids»-Kampagne von 1987 · Archiv schwulengeschichte.ch

Ausbau und Institutionen

1992 – 2010
  1. Gleiches Schutzalter

    Eine Referendumsabstimmung im Mai beseitigt die letzte offene Ungleichbehandlung im Sexualstrafrecht.

  2. Schwulenarchiv Schweiz gegründet

    Am 10. Juli in Bern. Die Sammlung liegt heute im Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich und ist auch im internationalen Vergleich bedeutend.

  3. gay.ch geht online

    Information, Events und Gesundheit auf einer Plattform von und für queere Menschen. Sie begleitet die Kampagnen der folgenden Jahrzehnte, vom Zürcher Partnerschaftsgesetz bis zur Ehe für alle.

  4. «360°» für die Romandie

    Die Westschweiz bekommt ihr eigenes Leitmedium. Queerer Journalismus in der Schweiz ist damit erstmals seit dem «Kreis» wieder mehrsprachig aufgestellt.

  5. Aus «AK» wird «akut:magazin»

    Die Publikationslinie, die sich bis zum «Kreis» zurückverfolgen lässt, bekommt einen neuen Namen.

  6. «akut» und «Kontakt» werden DISPLAY

    Im Sommer erscheint die letzte Ausgabe von «akut» — als eigenständiger Titel. Denn «akut:magazin» fusioniert mit dem Mitbewerber «Kontakt», und aus beiden wird das «DISPLAY Magazin». Die Linie, die 1932 begann, bricht damit nicht ab; sie läuft unter neuem Namen weiter.

    DISPLAY-Cover von Dezember 2016
    DISPLAY-Cover von Dezember 2016 · Archiv DISPLAY
  7. «Mannschaft» wird gegründet

    Thomas Künzi und Greg Zwygart starten in Bern ein neues Magazin. Es wächst zur grössten queeren Publikation des Landes, 2015 kommt Deutschland dazu, 2020 Österreich.

Rechte gewonnen, Redaktionen verloren

2016 – heute
  1. Der Kanton Bern streicht die Mittel

    «gayAgenda» und «gaybern.ch» sind nicht mehr finanzierbar. Rechte und Inhalte gehen an das neu gegründete bern.lgbt über. Im Schweizer Kleinmedienfeld ist dieser Mechanismus kein Einzelfall.

  2. Diskriminierungsschutz

    Im Februar nimmt die Stimmbevölkerung die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm an: Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung wird strafbar.

  3. Ehe für alle

    Am 1. Juli tritt sie in Kraft, nachdem sie im September 2021 mit 64 Prozent Ja angenommen wurde.

  4. «360°» gibt den Druck auf — DISPLAY legt zu

    Nach 25 Jahren stellt das Westschweizer Leitmedium die Printausgabe ein; die Website lebt als Archiv, Agenda und Guide weiter. Im selben Jahr geht DISPLAY den umgekehrten Weg: grösseres Format, 84 statt 68 Seiten, neues Layout — zum gleichen Preis.

    DISPLAY-Cover der Ausgabe 01·02 2026
    DISPLAY-Cover der Ausgabe 01·02 2026 · DISPLAY
  5. Kein öffentliches Geld für queere Medien

    Am 8. März lehnt die Stimmbevölkerung die SRG-Halbierungsinitiative mit 61,9 Prozent Nein ab; die Serafe-Gebühr sinkt bis 2029 schrittweise von 335 auf 300 Franken. Für queere Inhalte ändert das nichts: Die SRG hat keinen spezifischen queeren Programmauftrag, und eine staatliche Förderung für unabhängige queere Medien existiert in der Schweiz nicht.

  6. «Mannschaft» stellt ein

    Am 18. Juni erscheint nach 16 Jahren und 125 Ausgaben die letzte Nummer. Dabei hatte die Redaktion reagiert: 2024 folgte ein Website-Relaunch mit Paywall, der Fokus verschob sich auf digitale Abonnements. Als Grund nennt sie, dass sich die Bedingungen für unabhängigen Journalismus stark verändert hätten — wegbrechende Printwerbung, sinkende Bannererlöse, hohe Produktionskosten, bei der Erwartung, dass digitale Inhalte gratis sind.

    Cover des «Mannschaft» Magazins
    Cover des «Mannschaft» Magazins · Cover: Mannschaft Magazin